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Bison redivivus: WWF betreibt Wisent-Reservate in Rumänien

Der fast ausgestorbene europäische Bison, der Wisent, schafft den Weg zurück in die Wildnis. Die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) setzt derzeit mehrere Projekte zur Auswilderung von Wisentenherden in Rumänien um.

Bison redivivus: WWF betreibt Wisent-Reservate in Rumänien
Bison redivivus: WWF betreibt Wisent-Reservate in Rumänien

, 10.12.2015, 17:45

Ein gro‎ßes, schweres Landsäugetier — das Symbol der rumänischen Geschichte — geriet für mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit. Es verging viel Zeit, bis das das erste Wisent-Reservat in Rumänien gegründet wurde — das Reservat von Haţeg, einer Ortschaft im Zentrum des Landes. Inzwischen gibt es Wisent-Reservate auch in der Ortschaft Vânători, im Kreis Neamţ, im Osten des Landes. Dort lebten Wisente eine lange Zeit in Halbfreiheit. Seit 2012 grasen sie in freier Wildbahn im Schutzgebiet. Weitere Wisent-Reservate gibt es in der Ortschaft Neagra Bucşani im Landkreis Dâmboviţa, im Süden des Landes, sowie in Vama Buzăului im Kreis Braşov/Kronstadt, im Zentrum Rumäniens, und neuerdings auch in der Ortschaft Plopu, in der Gemeinde Armeniş, im südwestlich gelegenen Kreis Caraş-Severin.



Mehr Einzelheiten zur Geschichte des rumänischen Wisents sowie über seinen Weg in die Freiheit, erfahren wir von Adrian Hăgătiş und Alexandru Bulacu, zweier Vertreter der Organisation WWF, zuständig für das Programm Donau-Karpaten. Alexandru Bulacu, Project Officer bei WWF Rumänien, erzählte uns über die Tradition des Wisents in Rumänien und über die Versuche, die Tierart wiederzubeleben.



Es gibt viele Ortsbezeichnungen, die den Wisent erwähnen, wie z.B. Măgura Zimbrului (Wisent-Hügel) oder Avenul Zimbrului (Wisent-Doline). Das beweist, dass der Wisent seit eh und je in Rumänien lebt. Wir wollen den Wisent nach 200 Jahren wieder auf rumänischen Boden bringen. Auf den Gedanken der Wiederbesiedlung des Areals mit Wisenten kamen wir vor gut 15 Jahren. Mehrere kluge Köpfe taten sich im Laufe der Zeit zusammen, um den Wisent wieder in sein natürliches Habitat leben zu lassen. Das Projekt, worüber wir im Moment sprechen, nimmt sich vor, neue passende Habitate für den Wisent zu finden und somit die Zahl der in ein natürliches Umfeld wiederintegrierten Tiere zu erhöhen. Wir haben schon 29 Wisente im Kreis Caraş-Severin, in der Ortschaft Plopu, die für ein freies Leben in den Wäldern vorbereitet werden.“




Adrian Hăgătiş, Project Manager bei WWF Rumänien teilte uns die im Hinblick auf die Wiederbesiedlung der Gegend mit Wisenten unternommenen Schritte mit:



In Polen gab es vor allem in den 1960er und 70er Jahren Programme, die eine Wiederbelebung der Tierart anstrebten. Demnach errichteten die Polen mehrere Schutzgebiete und starteten einen Prozess der Reintegration. Dazu gibt es in Polen ein Europäisches Zentrum zur Erhaltung des Wisents. Das Zentrum verfügt über ein Register, in dem sämtliche Wisente eingetragen sind. Somit kann die Inzucht innerhalb einer Herde vermieden werden. In Vielen Schutzgebieten in Europa, wie auch in Rumänien, in Haţeg oder Neagra Bucşani, kommt der Vorgang der Inzucht oft vor. Die Erhaltungszucht muss sorgfältig betrieben werden, es müssen zahlreiche Aspekte berücksichtigt werden. Es geht um die Reintegration einer Tierart in ein natürliches Habitat, das seinerseits geschaffen werden muss. Die Wisentbevölkerungen brauchen für ihre Lebensart weite Wald- und Heidegebiete. Sie brauchen ein wildes natürliches Habitat mit möglichst wenigem menschlichem Eingriff. Was schwierig in Europa zu erlangen ist. Auch in Rumänien besteht die Gefahr der Habitatfragmentierung und das gefährdet die Erhaltungszucht dieser gro‎ßen Landsäugetiere. Nicht nur der Wisent, auch andere Tierarten sind aus diesem Grund gefährdet. Das stellt ein gro‎ßes Problem hierzulande dar. Wir versuchen derzeit zwei Naturgebiete freizumachen — eines liegt im Ţarcu-Gebirge und ein zweites im Poiana-Ruscă-Gebirge. Unser Ziel ist, Unterbevölkerungen zu schaffen, die die Migration überstehen können. Es soll ein natürlicher Genaustausch erfolgen. Wir hoffen, alles so weit zu entwickeln, bis unser Eingriff nicht mehr notwendig ist. Wir versuchen, ein funktionierendes Wisent-Management-System auf die Beine zu bringen.“




Die Säugetiere werden einem gro‎ßen Stress ausgesetzt — angefangen mit dem Ruhigstellen des Wisents bis hin zu seinem Transport, der mehrere Tage dauern kann. Dazu kommt noch die Anpassung an das neue Habitat. Mehr Details dazu bringt Adrian Hăgătiş:



Unser Programm sieht eine schrittweise Anpassung vor. Wir verfügen über drei Typen von Rindgehege. Im ersten Gehege wird das Tier einer tierärztlichen Untersuchung unterzogen. Denn die Gesundheit der Wisente, die aus allen Ecken Europas eintreffen, muss gecheckt werden. Darüber hinaus versuchen wir die Inzucht zu vermeiden, daher müssen wir Tiere zu uns zukommen lassen, die sich genetisch unterscheiden. Die eingetroffenen Wisente brauchen eine einmonatige Anpassungszeit. Diese Zeit überstehen sie in einem grö‎ßeren Gehege. In einem dritten Schritt werden sie in ein noch grö‎ßeres Gehege frei gelassen, um sich wieder an die Wildnis anzupassen. Das letzte Gehege erstreckt sich auf ein Gebiet von mehr als 100 Hektar. Hier sind alle Bedingungen erfüllt, damit sie sich an das Naturhabitat anpassen.“




Wir wollten von Alexandru Bulacu erfahren, ob die Wisente, soweit sie frei in der Natur leben, irgendwelche Schwierigkeiten bereiten könnten:



Ich wei‎ß nicht, ob sie Probleme schaffen würden. Viele Menschen fürchten sich vor einem so gro‎ßen Tier, das ist klar. Doch wir müssen bedenken, wir haben es mit einem Wiederkäuer zu tun. Und wie jedes Wildtier, vermeidet es jeglichen Kontakt mit den Menschen. Vor allem im Winter, wenn sie nicht mehr so einfach Nahrung finden, könnten die Wisente schon näher an bevölkerte Gegenden treten. Doch wir treffen die entsprechenden Ma‎ßnahmen, um derartige mögliche Konfliktsituationen zu vermeiden.“




Die Projektträger hoffen, dass in den kommenden 20 Jahren rund 500 Wisente in Rumänien frei leben und den Weg zueinander finden werden.

Foto: Mariana Chiriță/RRI
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