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Leseschwäche: Jüngere Generation hat jegliches Interesse am Lesen verloren

Eine im März durchgeführte Studie der Weltbank zeigt, dass die Rumänen im Durchschnitt weniger als fünf Minuten pro Tag lesen; die Lektüre eines ganzen Buchs während eines Jahres ist ein seltenes Ereignis.

book, reading Photo: pixabay.com
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, 19.05.2021, 17:30

35 % der Rumänen geben an, noch nie ein Buch gelesen zu haben, obwohl es unzählige Studien gibt, die zeigen, dass Lesen die harmonische Entwicklung eines Individuums fördert, Stress zu reduzieren hilft und auch zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung beiträgt. Die Weltbank hat gezeigt, dass höhere Alphabetisierungsraten mit einer gesünderen Bevölkerung, niedrigeren Kriminalitätsraten und grö‎ßeren wirtschaftlichen Wachstumsraten verbunden sind.



Es sieht so aus, als ob sich das Verhältnis der Rumänen zu Büchern 10 Jahre nach der antikommunistischen Revolution vom Dezember 1989 zu verschlechtern begann und das Interesse der neuen Generationen am Lesen dramatisch gesunken ist. Wer ist schuld daran und was kann man tun, wo doch wissenschaftlich erwiesen ist, dass Lesen zur Entwicklung der kognitiven Fähigkeiten eines jungen Menschen beiträgt?



Wir haben die Journalistin Marina Constantinoiu, eine Expertin auf diesem Gebiet, die auch an der Fakultät für Journalismus und Kommunikation lehrt, gefragt, wie sich das mangelnde Interesse junger Menschen am Lesen erklären lässt?



Leider ist das Verhältnis zwischen Schülern und dem Lesen im Allgemeinen, mit oder ohne Verbindung zum Internetzeitalter, ziemlich schlecht, und das ist nichts Neues, das gibt es schon seit 25 Jahren, denn vielleicht waren die ersten Jahre nach der Revolution von 1989 etwas gro‎ßzügiger, was das Lesen angeht. Man kann dem Internet die Schuld geben, aber auf der anderen Seite ist es nicht der einzige Grund und nicht einmal der schwerwiegendste. Ich denke, dass das Hauptproblem in der Familie liegt, denn die Familie ist es, die das Kind nicht zum Lesen ermutigt oder die Unfähigkeit des Kindes zum Lesen toleriert. Ich wei‎ß nicht, ob wir alle mit einem Interesse am Lesen geboren werden, ich wei‎ß, dass dies für meine Generation etwas ist, das in der Familie kultiviert wurde. Ich denke, jetzt ist es eine Frage des nationalen Notstands, denn wir sind in einer sehr schlechten Situation, was das Lesen angeht. Und das kann man an der gro‎ßen Armut des Wortschatzes sehen, mit dem die Menschen heutzutage kommunizieren.“




Lesen als tägliche Gewohnheit baut neuronale Verbindungen auf und stärkt sie in jedem Alter, nicht nur bei Kindern und jungen Erwachsenen. Werte wie Bildung, Respekt vor Büchern oder Lehrern haben begonnen zu verschwinden. Wenn wir unsere nationale Identität nicht ernsthaft beschädigen wollen, sollten wir dies zu einem nationalen Notstand erklären, meint Marina Constantinoiu:



Ich war früher selbst eine Studentin und jetzt unterrichte ich und ich unterhalte mich normalerweise gerne mit meinen Studenten au‎ßerhalb des Unterrichts. Ich versuche herauszufinden, was ihre Leidenschaften sind, ob sie lesen und wie viel. In letzter Zeit musste ich aber leider nicht mehr fragen, weil es offensichtlich geworden ist. An der Art und Weise, wie sie ihre Projekte schreiben und wie sie einen längeren Text betrachten, kann ich erahnen, wie viel sie lesen, denn die Arbeit daran ist für sie mit viel Langeweile verbunden. Viele erschrecken allein schon bei dem Gedanken, einen langen Text lesen, darüber nachdenken, ihn verstehen und etwas darüber schreiben zu müssen.“




Es ist lebenswichtig, dass die Familie, unabhängig von der eigenen Bildung, in den Kindern den Respekt vor und das Interesse am Lesen kultiviert. Ohne Wissen, ohne Lernen aus Büchern ist es, als würde man eine Reise mit einer leeren Tasche beginnen. Und das ist nie gut, sagt Marina Constantinoiu:



Lesen als Gewohnheit ist normalerweise etwas für die über 40-Jährigen, und ich gehöre zu dieser Kategorie, ich fühle mich wie ein Dinosaurier, aber es ist nicht normal, so zu sein. Ich denke, es sollte in der Familie beginnen und Lesen sollte eine Verpflichtung sein, die sanft auferlegt wird. Denn Lesen ist das, was einen als Person formt. Das sage ich vielen Kindern, die die Stirn runzeln, wenn sie hören, dass sie in der Schule mehr lesen sollen, denn sie befinden sich gerade in den aufmüpfigen Jahren ihrer Entwicklung. Egal, welches Berufsfeld man wählt, man kann die Reise nicht ohne Informationen antreten und ohne das richtige Vokabular, das man nur durch Lesen erwerben kann. Es ist egal, wie wir sie nennen: Wörter, Informationen, Ideen, Metaphern, es ist egal. Wichtig ist, dass man sie hat und sie im Leben benutzt.“




Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es wichtig ist, unsere Kinder zum Lesen anzuregen. Ihnen zu helfen, die Freude daran zu entdecken, jeden Tag für eine Weile innezuhalten und einfach zu lesen. Auf lange Sicht ist es auf jeden Fall lohnend.



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