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Zurück aufs Land: die Städter im Dorf

Stadt- oder Landleben – wo liegt die Zukunft? Viele Menschen entdeckten während der Pandemie die Vorteile eines Lebens auf dem Lande, nämlich mehr Bewegungsfreiheit, reine Luft und die Möglichkeit, mehr Zeit in der Natur zu verbringen.

Zurück aufs Land: die Städter im Dorf
Zurück aufs Land: die Städter im Dorf

, 29.10.2020, 17:30

Octavian Viorel war in seinem Inneren immer noch ein Dorfkind, auch wenn er vor vielen Jahren in die Stadt gezogen war. Deshalb beschloss er, sein Leben während der Pandemie auf dem Lande weiterzuführen. Er wusste die Ruhe und das einfache Leben zu genie‎ßen, allerdings spürte er das Bedürfnis, sich mit Gleichgesinnten zu umgeben und auszutauschen. Demnach startete er eine Initiative zur Wiederbevölkerung seines Dorfes. Viele Ortsbewohner nahmen die Initiative erfreut an. Wir hatten die Gelegenheit, uns mit Octavian Viorel zu unterhalten. Und er erzählte uns mehr zu seinem Projekt, das er symbolisch Eine Handvoll Stadtmenschen“ nannte:



Die Projektidee entstand direkt im Dorf. Ich bin ein Stadtmensch, der ins Dorf der Gro‎ßeltern vor der Pandemie flüchtete. Meine Gro‎ßeltern wohnten im Dorf Slătioara, im Kreis Vâlcea. Vor Ort konnte ich feststellen, dass das Dorfleben nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile aufweist. Ein gro‎ßes Minus war die Gemeinschaft — oder eher gesagt, die mangelnde Gemeinschaft. Ich fand vor Ort keine Leute wie mich, mit denen ich mich unterhalten oder meine Freizeit verbringen könnte. Zusammen mit einem Freund, der ebenfalls ein Stadtmensch ist und ins Dorf zurückgekehrt war, sprachen wir den Bürgermeister an, um zu schauen, ob sie ein Interesse dafür hätten, die örtliche Gemeinschaft zu entwickeln. Wir wollten nämlich das Dorf fördern und Stadtbewohner zurück aufs Land locken. Nachdem uns bestätigt wurde, dass Interesse bestünde, beantragten wir eine Finanzierung und erhielten sie auch. Wir bildeten eine Forschungsgruppe und untersuchten, welche Bedürfnisse ein Stadtbewohner haben könnte, der sein Stadtleben aufgibt, um in einem Dorf weiterzuleben.“




Die in Rumänien lebenden Menschen beklagen oft die mangelnde Infrastruktur, vor allem im ländlichen Raum. Daher versuchte Octavian Viorel, die Nachteile eines solchen Umzugs herauszufinden. Und das sind seine Schlüsse:



Ich stellte fest, dass sich die Menschen nach Natur und Freizügigkeit sehnen. Und das finden sie auf dem Lande. Das Dorf, in dem ich jetzt lebe, Slătioara, wurde in den letzten Jahren modernisiert. Die Haushälter verfügen über flie‎ßendes Wasser und Internetzugang. Die Stra‎ßen sind asphaltiert. Die Ortsbewohner freuten sich auf unsere Ankunft, auf neue Nachbarn. Derzeit sehe ich nur die Vorteile meiner Umsiedlung. Der einzige Nachteil ist im Moment die gealterte gesellschaftliche Struktur. Es leben lediglich alte Leute im Dorf.“




Die Pandemie schränkte unsere Bewegungsfreiheit stark ein. Also träumen viele Stadtbewohner von den Freuden der Natur. Das konnte unser Gesprächspartner auch im Zusammenhang mit dem Projekt feststellen:



Es ist eine allgemeine Entwicklung, wir zogen nur die Schlüsse. Immer mehr Leute kommen vorbei und fragen nach freien Häusern oder nach Grundstücken, auf die sie ein Haus bauen könnten. Wir sprachen mit dem Bürgermeister über die nächsten Schritte. Wir wollen nämlich den Neuankömmlingen den Umzug erleichtern.“




Octavian Viorel sagte uns, worauf das von ihm gestartete Projekt abziele und was für Vorteile sich für die Bevölkerung der Ortschaft daraus ergeben könnten:



Mit dem Zuzug der Neuankömmlinge wird sich das Dorf entwickeln. Auch das Durchschnittsalter der Dorfbewohner wird zurückgehen. Das bedeutet, im Dorf werden mehr erwerbsfähige Menschen wohnen. Die Neuankömmlinge kommen aus dem städtischen Umfeld, bringen die dort erworbenen Gewohnheiten mit. Wir gehen davon aus, dass sie ihre eigenen Geschäfte vor Ort gründen und dabei die örtlichen Ressourcen nutzen werden. Die Neuankömmlinge werden demnach zur Weiterentwicklung des Dorfes in den kommenden Jahren beitragen.“




Octavian Viorel fordert die Menschen nicht auf, die Stadt zu verlassen und aufs Land zu ziehen. Er schickt vielmehr eine Botschaft hinaus, nämlich dass alle, die es sich wünschen, dem Stadtleben zu entfliehen, willkommen seien. Er selbst lebe, zusammen mit seiner Familie, ein hybrides Leben. Er pendelt nämlich zwischen Stadt und Dorf:



Derzeit wird das hybride Schulmodell gefördert. Wir haben uns dem Zeitgeist angepasst und führen ein hybrides Leben. Meine Kinder lernen in Bukarest. Sie gehen jede zweite Woche in die Schule. Zwischendurch lernen sie von zu Hause aus — online. Ich und meine Frau arbeiten auch viel online. Also pendeln wir regelmä‎ßig zwischen Stadt und Dorf. Was ich nur empfehlen kann. Das Leben auf dem Lande setzt viel mehr körperliche Anstrengung voraus. Da gibt es viele Arbeiten, die drau‎ßen erledigt werden. Die Zeit vergeht anders und ist nicht mehr so wichtig. Der Tagesablauf hängt hier vom Naturzyklus ab. Was mich anbelangt, ich bin ein Dorfenkelkind. Ich verbrachte alle meine Ferien bei meinen Gro‎ßeltern auf dem Bauernhof, also kenne ich dieses Leben und wei‎ß es hochzuschätzen. Auch mein Vater lebt dieses hybride Leben und pendelt zwischen Stadt und Dorf. Er steht mir zur Seite mit Rat und Tat. Somit wei‎ß ich immer, was im Haushalt und auf dem Bauernhof gerade fehlt.“




Eine hervorragende Idee für diesen schönen Herbst, der kunterbunt ist, nach dürren Blättern, kahlen Bäumen, eingelegtem Gemüse und dem weltbesten Gemüsebrei, der sogenannten Zacuscă, riecht.

sursă foto: facebook.com/RazvanCojocaruOficial/
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