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Emmanuel de Martonne: Französischer Geograph betrieb Lobby für Großrumänien

Der französische Wissenschaftler Emmanuel de Martonne war ein starker Befürworter Großrumäniens. In Paris schloss er sich sogar der rumänischen Propaganda an und plädierte für die Vereinigung aller mehrheitlich rumänisch besiedelten Gebiete.


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Emmanuel de Martonne: Französischer Geograph betrieb Lobby für Großrumänien
Emmanuel de Martonne: Französischer Geograph betrieb Lobby für Großrumänien


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, 19.11.2018, 17:30

Der französische Geograph Emmanuel de Martonne (1873–1955) war ein bekannter Bewunderer der rumänischen Kultur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Rumänien verdankt ihm Studien über das Land und Karten, die eine wichtige Rolle bei der Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg spielten. De Martonne war Student des gro‎ßen französischen Geographen Paul Vidal de la Blache und begann schon in den frühen Zwanzigern mit dem Studium der Geographie Rumäniens — dank seiner Freundschaft mit dem Schriftsteller Pompiliu Eliade.



Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs brach weltweit eine andere Art von Krieg aus, ein Konflikt der Karten und des Lobbyismus. Das zuletzt genannte Phänomen gab es eigentlich auch früher und galt als ein im Schatten des offenen Kriegs laufender Konflikt. Gavin Bowd ist Professor für französische Sprache und Literatur an der Universität St. Andrews in Schottland. Der Professor hat sich in seinen Studien mit der Persönlichkeit des Geographen befasst, einschlie‎ßlich seiner Studien über Rumänien. Die rumänische Propaganda in der französischen Presse sei eines der stärksten Mittel gewesen, die die rumänischen Diplomaten nutzen, um ihr Ziel zu erreichen, sagt Gavin Bowd:



In Frankreich hat sich Rumänien in intellektuellen Kreisen des Landes einer starken Unterstützung erfreut. Der rumänische bevollmächtigte Minister in Paris, Victor Antonescu, hatte einen Plan umgesetzt, um rumänische Propaganda in der französischen Presse zu veröffentlicht: Bukarest finanzierte heimlich diese Propaganda und gründete am 1. Januar 1918 auch ein Pressebüro in Paris. Viele einflussreiche Rumänen haben ihrerseits diese Propaganda in Frankreich finanziell unterstützt. Sie haben auch eine Zeitung gegründet, »La Transylvanie«, die sich zum Schutz der Rechte der Siebenbürger, Banater und der Bewohner der Bukowina einsetzte, sowie die Tageszeitung »La Roumanie«. Neben seiner Tätigkeit für das französische Au‎ßenministerium trug auch Emmanuel de Martonne erheblich zur rumänischen Propaganda bei. Im März 1918 wurde zum Beispiel das Buch »La Dobroudja. Esquisse historique, géographique, ethnographique et statistique« von Francois Lebrun, Korrespondenten der Tageszeitung »Le Matin« in Rumänien veröffentlicht. Im Vorwort zum Buch befürwortet De Martonne mit einer starken Stimme die Position Rumäniens mit den Worten: ‚Es ist noch nicht zu spät, ein Licht auf die Situation der rumänischen Region Dobrudscha zu werfen und die Öffentlichkeit darüber richtig zu informieren. Bukarest musste unter Druck einen ungerechten Friedensvertrag unterzeichnen, dieser Vertrag muss geändert werden, genau wie das Schicksal aller Rumänen sowie der slawischen Völker.‘“




Der Wissenschaftler war vielseitig begabt und zeigte auch eine besondere Neigung zur Literatur. Die Karpaten-Landschaft sowie Siebenbürgen und die rumänischen Bauern hatten den französischen Geographen verzaubert. Professor Gavin Bowd sagte dazu:



Für Emmanuel de Martonne war Rumänien ausschlie‎ßlich ein Karpatenland und ein Karpatenvolk. Ich zitiere aus einem seiner Werke: ‚Bei den ersten Schritten in Richtung Norden, nachdem man Bukarest verlässt, zeigt sich auf dem heiteren Himmel die blaue Linie der Karpaten. Sie schwebt sehr hoch über den üppigen Feldern des Landes, der Schatten der Karpaten fällt auf das ganze Land. Es handelt sich nicht, wie Sie nach einem kurzen Blick in einen geographischen Atlas glauben könnten, um eine natürliche, ethnische, politische oder wirtschaftliche Grenze. Auf beiden Seiten des Karpatenbogens, von der Bukowina bis zum Eisernen Tor, können Sie jene lateinische Sprache hören, die unserer ›langue doc‹ (dem Okzitanischen) so nahe steht. Dieselben Häuser mit steilen Dächern, dieselben Nationaltrachten, die einen den Waffenrock und die Hose der Daker auf der Trajanssäule in Rom wiederentdecken lassen. Dieselben von Ochsen gezogenen Karren, dieselben Lieder, dieselben Tänze, dasselbe Ideal… Für den Schäfer mit seiner Herde gibt es keine Grenze.‘“




Der gro‎ße Meilenstein der Rumänen und des französischen Geographen als ihr ständiger Befürworter war das Plädoyer für Gro‎ßrumänien. Gavin Bowd:



1919 sind die Fachkenntnisse des französischen Geographen bei den Friedensverhandlungen in Versailles einem Probelauf unterzogen worden. Im Mittelpunkt seiner Recherche standen in diesem Jahr vier lange Studien über die vier Provinzen, die Rumänien für sich gewinnen wollte. De Martonne plädierte in seinen Fachstudien mit Fachkenntnissen offenkundig für Gro‎ßrumänien. Seine Karte betitelte er »Die Verteilung der Völker in den Territorien, wo die Rumänen die Mehrheit bilden«, was bei weitem nicht als objektiver Titel einer geographischen Karte gelten konnte. Mit der roten Farbe markierte der Geograph die Regionen, wo die Rumänen die Mehrheit der Bevölkerung bildeten. In De Martonnes Karte gab es zudem keine Minderheit, die weniger als 25% der Bevölkerung darstellte. Des Weiteren kennzeichnete der Geograph ganze Regionen mit der Farbe der mehrheitlichen Bevölkerung, andere Volksgruppen wurden mit kleinen Kreisen markiert. Diese Herangehensweise war der klare Beweis, dass seine Studien von dem Einfluss seines Lehrmeisters Vidal de la Blache geprägt waren, der die landwirtschaftlichen und weniger entwickelten Regionen bevorzugte und wo es vermutlich eine gewisse Harmonie zwischen Menschen und Natur gab. Die regionale Geographie und die Zuneigung für die rumänischen Bauer gingen Hand in Hand.“

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