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1989 in der Republik Moldau – das Jahr der Wende

1989 war ein Jahr der Wende im gesamten Ostblock, also auch in der heutigen Republik Moldau – der damaligen Moldawischen Sowjetrepublik oder, wie das Gebiet vor der Annektierung durch die Sowjetunion in 1939 und 1944 bekannt war, Bessarabien.

1989 in der Republik Moldau – das Jahr der Wende
1989 in der Republik Moldau – das Jahr der Wende

, 29.12.2014, 14:12

Auch die Moldauer feiern 2014 ein Vierteljahrhundert Freiheit. Dort wurde nicht nur mit dem Kommunismus gebrochen, sondern auch mit der Politik der Russifizierung, die die nationalen Rechte mit Fü‎ßen getreten hatte. Der Historiker Sergiu Musteaţă, Professor an der staatlichen Universität Chişinău in der moldauischen Hauptstadt erinnert sich an die Jahre der Wende:



Zwischen 1985 und 1989 setzten sich auch in der Moldawischen Sowjetrepublik Veränderungen in Bewegung. Interessant ist, dass die Menschen in Chişinău anfangs keine sozialen oder ökonomischen Forderungen stellten, sondern sich auf Sprache und Alphabet konzentrierten. Das Wort des Tages war selbstverständlich Freiheit. Auf den Bildern von damals ist zu sehen, dass Freiheit auch auf vielen Transparenten stand. Die Menschen wollten frei sein, sie wollten alles offen ansprechen, die Wahrheit sagen können. Die grö‎ßte Beleidigung für die Menschen hier war es, nicht in der eigenen Muttersprache offen reden und schreiben zu können. Am Anfang stand also diese Bewegung für Sprache und Alphabet. Im Jahr 1988 gab es schon erste Gespräche beim Schriftstellerverband und beginnend mit Januar 1989 haben die Menschen hier ihre Kräfte gebündelt, um die Sprachforderungen durchzusetzen. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion versuchte natürlich dagegenzusteuern, die Politik sprach von einer Provokation und versuchte öffentliche Kundgebungen zu verhindern. Aber immer mehr Menschen gingen auf die Stra‎ße und im Sommer 1989 waren es schon mehrere Dutzend Tausende.“




Der Historiker aus Chişinău erinnerte sich noch ganz gut an die Atmosphäre in der Stadt — wie in anderen Hauptstädten von Sowjetrepubliken brodelte es unter dem Einfluss von Perestroika und Glasnost, der Politik des Sowjetführers Michail Gorbatschow. Forderungen nach nationaler Selbstbestimmung stellten alle Nationen, die seit über 70 Jahren von der Sowjetunion unterdrückt waren. Sergiu Musteaţă meint, dass die gro‎ße Nationalversammlung in Chişinău am 27. August 1989 der entscheidende Moment war, der zur Wende in der heutigen Republik Moldau führte:



Am 31. August 1989 wurde das Sprachengesetz verabschiedet, wodurch das lateinische Alphabet wieder eingeführt wurde. Im Verlauf des Jahres hatten die Schriftsteller eindringlich gefordert, dass die Beschlüsse der Sowjetmacht zur Einführung des kyrillischen Alphabets rückgängig gemacht werden. Sie sind gegen die Vorschriften vorgegangen, die eine gute Kenntnis des Rumänischen verhinderten und die Sprache verfälschten. An den Wahlen für den Obersten Sowjet konnten sich so Mitglieder einer neuen Kulturelite beteiligen — insbesondere Schriftsteller. Sie traten geschlossen als moldauische Mannschaft bei der Sitzung des Obersten Sowjets in Moskau auf. Sie waren 1989 so mutig, um zu behaupten, dass der Hitler-Stalin-Pakt ein Pakt gegen die Menschheit sei. Sie forderten auf der Sitzung des Sowjets — also des Parlaments der UdSSR — einen Untersuchungsausschuss, der sich mit den Folgen des Pakts auseinandersetzen sollte. Zu ersten Mal veröffentlichte in Chişinău die Zeitschrift [des Schriftstellerverbandes] »Literatură şi Artă« (»Literatur und Kunst«) ein geheimes Zusatzprotokoll des Abkommens, über das nicht offen gesprochen werden sollte und deshalb lange Zeit als eine Legende galt — zum ersten Mal erschien es also und demonstrierte, wie die Welt aufgeteilt wurde.“




Sergiu Musteaţă, Universitätsprofessor in der moldauischen Hauptstadt erinnert sich auch, wie die Freiheit in Chişinău triumphierte, genau wie sie auch in Wilna, Riga, Tallinn, Kiew und in anderen sowjetischen Teilrepubliken siegte.



Was sich in Chişinău zugetragen hat, prägte den Geist der nationalen Freiheitsbewegung. 1987 diskutierte man über diese Dinge noch mit einer gewissen Dosis Furcht, 1988 kam es zu Veröffentlichungen, 1989 explodierte praktisch die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Zum ersten Mal schwenkten die Menschen 1989 die blau-gelb-rote Trikolore und sagten, das sei eigentlich unsere richtige Landesfahne. Und 1989 war es auch zum ersten Mal, dass gegen Ende des Jahres bei einer gro‎ßen Kundgebung auch die Idee der Wiedervereinigung Bessarabiens und Rumäniens im Kontext der Verurteilung des Hitler-Stalin-Pakts laut wurde. Kulturelle und historische Forderungen bewegten sich dann in Richtung Gesellschaft und Wirtschaft: Man forderte wirtschaftliche Unabhängigkeit und Selbstbestimmung — das führte dann zur Souveränitätserklärung und 1991 zur Unabhängigkeitserklärung.“




Sergiu Musteaţă erinnerte sich, wie 1989 die Rumänischstämmigen in der Republik Moldau über eine unmittelbare Erfahrung zu sich selbst gefunden haben.



1989 studierte ich Geschichte im ersten Jahr und ich kann mich erinnern, an mehreren Kundgebungen teilgenommen zu haben. Am 7. November wurde traditionell eine Militärparade zu Ehren der bolschewistischen Revolution veranstaltet und zum ersten Mal brachten die Menschen in Chişinău den Mut auf, sich vor die Panzer zu stellen, um sie aufzuhalten. Seitdem fahren keine Panzer mehr auf dem gro‎ßen Nationalplatz in Chişinău auf. Die Menschen haben Blumen bei sich gehabt. Die Soldaten, obwohl sie unterschiedlicher ethnischer Abstammung waren, gingen nicht weiter. Sie umarmten die Passanten, bekamen Blumen geschenkt. Zum ersten Mal flüchtete die Führung der Kommunistischen Partei von der Zentraltribüne. Es war ein Zeichen, dass sich etwas bewegte, dass die Gesellschaft eine andere Führung wollte. Dass die totalitäre Herrschaft, die Millionen von Menschen in Furcht hielt, ausgedient hatte.“




Für die Republik Moldau verlief die Transformation und Demokratisierung reibungsloser als in Rumänien — was auch mit einer vergleichsweise traumatischeren Vergangenheit zu tun hat.

Patriarhul Daniel (foto: Agerpres)

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